Richtet nicht
Wie Jesus unsere Beziehungen heilt und unser Herz zurechtbringt
Leittext: Matthäus 7,1–6
Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet. Denn mit welcherlei Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welcherlei Maß ihr messet, wird euch gemessen werden.
Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge?
Oder wie darfst du sagen zu deinem Bruder: Halt, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen? und siehe, ein Balken ist in deinem Auge.
Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; darnach besieh, wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst.
Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben, und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen, auf daß sie dieselben nicht zertreten mit ihren Füßen und sich wenden und euch zerreißen.
Liebe Gemeinde, liebe Gäste, wir kommen zum Gottesdienst, um Gottes Wort zu hören, Gemeinschaft zu haben, zu beten und miteinander zu singen. Aber immer wieder müssen wir uns neu fragen: Warum tun wir das eigentlich? Was ist der Sinn dahinter?
Die Antwort ist: Weil Gott durch sein Wort redet. Die Bibel ist nicht nur eine religiöse Anleitung. Sie ist Gottes lebendiges Wort. Sie zeigt uns unsere Schuld, führt uns zurück auf den richtigen Weg und macht aus unreifen Menschen reife Diener Gottes.
2. Timotheus 3,16–17
Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Strafe, zur Besserung, zur Züchtigung in der Gerechtigkeit, daß ein Mensch Gottes sei vollkommen, zu allem guten Werk geschickt.
1. Jesus verbietet nicht jedes Urteilen
Wenn Jesus sagt: „Richtet nicht“, meint er nicht, dass wir Wahrheit und Unrecht nicht mehr unterscheiden sollen. Die Bibel fordert uns an vielen Stellen auf, Sünde ernst zu nehmen, Unrecht anzusprechen und einander zurechtzuhelfen.
Aber Jesus verbietet ein selbstgerechtes, liebloses, überhebliches Richten. Er spricht das Herz an, das sich über den anderen stellt. Das Herz, das den anderen klein macht, um selbst besser dazustehen.
Johannes 7,24
Richtet nicht nach dem Ansehen, sondern richtet ein rechtes Gericht.
2. Das Problem sitzt tiefer: in unserem Herzen
Wir kennen oft nicht die Motive des anderen. Wir sehen nur einen Ausschnitt. Wir sehen Verhalten, Worte, Entscheidungen, Gewohnheiten — aber wir sehen nicht das ganze Herz.
Und trotzdem sind wir schnell dabei, innerlich ein Urteil zu sprechen. Warum kommt jemand nicht zum Gottesdienst? Warum lebt jemand so? Warum macht jemand seinen Dienst anders? Warum entscheidet jemand so mit Geld, Familie, Arbeit oder Freizeit?
Jesus sagt: Pass auf. Vielleicht siehst du beim anderen einen Splitter. Aber in deinem eigenen Auge ist ein Balken. Das ist ein starkes Bild. Jesus will uns erschüttern. Der Mensch, der lieblos richtet, ist nicht der Sehende. Er ist der Blinde.
Jakobus 4,11–12
Afterredet nicht untereinander, liebe Brüder. Wer seinem Bruder afterredet und richtet seinen Bruder, der afterredet dem Gesetz und richtet das Gesetz. Richtest du aber das Gesetz, so bist du nicht ein Täter des Gesetzes, sondern ein Richter.
Es ist ein einiger Gesetzgeber, der kann selig machen und verdammen. Wer bist du, daß du einen andern richtest?
3. Der Balken muss zuerst heraus
Jesus sagt nicht: Der Splitter beim Bruder ist egal. Er sagt auch nicht: Hilf deinem Bruder niemals. Sondern er sagt: Zuerst der Balken. Zuerst dein Herz. Zuerst deine Blindheit. Zuerst deine Selbstgerechtigkeit.
Wer anderen helfen will, muss selbst Patient bei Jesus gewesen sein. Wir brauchen nicht zuerst den Richterstuhl, sondern die Arztpraxis Jesu. Wir brauchen seine Diagnose, seine Gnade, seine Reinigung.
Erst wenn Gott unser Herz demütigt, können wir dem anderen wirklich helfen — nicht von oben herab, sondern als begnadigte Sünder, die andere begnadigte Sünder lieben.
Galater 6,1
Liebe Brüder, so ein Mensch etwa von einem Fehl übereilt würde, so helfet ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, die ihr geistlich seid; und siehe auf dich selbst, daß du nicht auch versucht werdest.
4. Heilige Beziehungen dürfen nicht zerstört werden
Jesus spricht am Ende von Hunden, Schweinen und Perlen. Das ist ein ernstes Bild. Heilige Dinge dürfen nicht achtlos behandelt werden. Und zu diesen heiligen Dingen gehören auch die Beziehungen, die Gott in seiner Gemeinde schenkt.
Geschwisterliche Beziehungen sind kostbar. Sie können Segen, Korrektur, Trost, Ermutigung und geistliches Wachstum hervorbringen. Aber wenn wir lieblos richten, zertreten wir Perlen. Dann zerstören wir Vertrauen. Dann verletzen wir Menschen. Dann wird Gemeinde nicht ein Ort der Gnade, sondern ein Ort der Angst.
Jesus will unsere Beziehungen heilen. Er will uns nicht zu gleichgültigen Menschen machen, sondern zu demütigen Menschen. Nicht zu Menschen, die Sünde ignorieren, sondern zu Menschen, die zuerst selbst unter Gottes Wort stehen.
Anwendung
- Wo habe ich innerlich schon ein Urteil gesprochen, ohne mit der Person gesprochen zu haben?
- Wo mache ich den anderen klein, damit ich selbst besser dastehe?
- Wo verwechsle ich geistliche Klarheit mit persönlicher Überheblichkeit?
- Wo muss ich zuerst mit meinem eigenen Herzen zu Jesus gehen?
- Wem soll ich nicht lieblos begegnen, sondern demütig, ehrlich und sanftmütig helfen?
Schluss
Am Ende steht eine gute Nachricht: Jesus Christus hat das gerechte Gericht Gottes über unsere Sünde getragen. Er wurde außerhalb der Stadt verworfen. Er starb am Kreuz — nicht für Menschen, die besser waren als andere, sondern für Sünder.
Darum müssen wir nicht mehr auf dem Richterstuhl sitzen. Dort gehört Gott hin. Und wir müssen auch nicht vor Gott fliehen. Denn wer zu Jesus kommt, findet in ihm nicht den Vernichter, sondern den Retter.
Johannes 5,24
Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.
Deshalb lautet die Einladung heute: Komm zuerst selbst zu Jesus. Lass ihn dein Herz prüfen. Lass ihn den Balken zeigen. Lass ihn vergeben, reinigen und erneuern. Und dann geh zu deinem Bruder, zu deiner Schwester — nicht als Richter, sondern als jemand, der selbst Gnade empfangen hat.